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Wie sieht Messearbeit wirklich aus

Julius Bloch aka juliux ist seit 2003 im Messebereich aktiv. Er ist Mitglied von GNOME.ev und war auch dieses Jahr für den Verein auf der Cebit und beim Linuxtag in Karlsruhe tätig und wird auch noch beim Linuxinfotag in Dresden (29.10.05) auf der lwe (Linux World Expo 15-17.11.05) in Frankfurt aktiv sein. Damit auch andere einen groben Einblick erhalten können, habe ich ihn gebeten etwas über seine Erfahrungen im Rahmen seiner Messearbeit zu schreiben. Juliux ist es gelungen die Höhen und Tiefen einer Messe in authentischer Form wiederzugeben. Es ist zu erwähnen, dass sich Ubuntu auf dem GNOME Stand mitpräsentieren darf. Weitere Veranstaltungen der GNOME.ev sind hier nachzulesen.

Warum soll man auf Messen einen Stand betreuen?

Einen Messestand zu betreuen bedeutet in erster Linie Anstrengung. Und man muss viel Geduld mitbringen. Während der Messetage werden einem nämlich immer wieder die gleichen Fragen gestellt und man bekommt stets von den gleichen Problemen zu hören.

Ich habe eben von Anstrengung gesprochen. Damit ist körperliche Anstrengung gemeint. Den ganzen Tag zu stehen und dabei gleichzeitig zu reden, ja dies fordert jedem Messebetreuer natürlich viel Kraft ab.

Doch die Kraft für eine Messe erhält man durch die vielen positiven Reaktionen, das Kennenlernen neuer Leute, aber auch vor allem durch die neuen Erfahrungen und das neue Wissen, welches man sich auf den Messen aneignet. Dieses Wissen entsteht im Austausch mit Besuchern, Vertretern anderer Projekte und anwesender Entwickler.

Ein besonders schöner Teil an Messen ist, wenn man das Gesicht hinter dem Nick zu sehen bekommt und man abends gemütlich zusammen sitzt und nicht wie sonst per Internet miteinander redet.

Es lohnt sich auf jeden Fall mindestens einmal auf einer Messe einen Stand betreut zu haben. Und man muss dafür weder Entwickler noch ein absoluter Geek sein.

Eine Faustregel gibt es allerdings: Man muss nur das, was man präsentiert auch selber anwenden.

Ablauf einer typischen Messestandbetreuung:

1. Anfahrt

In der Regel sucht man, mit einer Vorlaufzeit von ein paar Monaten, eine möglichst günstige Bahnverbinung zum Messeort. Eine Möglichkeit ist die Nachtzugreise. Dadurch schafft man es möglichst früh, unchaotisch und ausgeschlafen am Messestandort zu sein.

In der Regel hat man eigentlich immer mehr Sachen mitgenommen, als man tragen kann und ist dann froh wenn man endlich am Veranstaltungsort angekommen ist.

2. Aufbau

Man versucht aus den vorhanden Tischen und Stühlen einen möglichst ansehnlichen Messestand zu machen. Dabei werden Poster aufgehangen und die Vorführgeräte aufgebaut. Als nächstes kümmert man sich um den obligatorischen Internetzugang.

3. Typischer Messetag

Idealerweise positioniert man sich vor dem Stand und spricht die Besucher direkt an. Dadurch steigt die Chance auf sich aufmerksam zu machen. So ist es auch viel einfacher Besucher für den eigenen Stand zu interessieren. Ist dieser Schritt erfolgt, so werden dem Besucher die jeweiligen Neugkeiten präsentiert, und man beantwortet anschliessend entsprechende Fragen. Nach einer gewissen Zeit wird das Herumstehen aber so anstrengend, das man sich hinsetzt und aus einer sitzenden Position heraus versucht die Besucher anzusprechen bzw. man wartet darauf selbst angesprochen zu werden. Die Motivation, die Leute stehend anzusprechen, sinkt von Messetag zu Messetag, aber man muss sich einfach dazu zwingen und man hat gerade dann erstaunlicherweise auch am meisten Erfolg.

Durch give aways wie Süssigkeiten und CD's gelingt es eher Besucher an den eigenen Stand zu locken. Ist dies getan, so beginnt die eigentliche Präsentationsarbeit.

4. Typischer Messeabend

Man versucht in möglichst kurzer Entfernung ein Restaurant zu finden, und geht mit dem ganzen Team und eventuell mit Mitgliedern anderer Projekte etwas essen und entspannt ein bisschen. Da dies so gemütlich ist - dauert es immer etwas länger... so das man erst sehr spät ins Bett kommt und das Aufstehen am nächsten Tag von Messetag zu Messetag immer schwerer fällt.

5. Abbau

Man schafft es, in kürzester Zeit alle seine Sachen zusammen zu packen und wieder in die Taschen zu bekommen, und in der Regel bleibt auch nichts liegen bzw. es fehlt nichts.

6. Rückfahrt

Relativ müde und geschafft bewegt man sich wieder in Richtung Bahnhof. Mit noch mehr Gepäck als bei der Hinfahrt, da man ja unbedingt noch irgendwas kaufen musste z.B. Bücher, T-Shirts, Poster.

Man ist froh wenn der Zug kommt, denn dann kann man, egal wie unbequem die Sitze sind, in Ruhe schlafen.

Es kann also JEDER einen Stand betreuen.

Hier ein entsprechender Link, wenn auch du mitmachen willst.