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Auf Firefox' Schultern zu den offenen Quellen Ubuntus: ein Reisebericht

Von einem, der Open Source und Linux nur vom Hörensagen kannte und nun große Augen macht.

Der Tag, an dem alles anders wurde, ist leicht datiert. Da gabs mal so ein Stück Software mit dem Namen PS2. Man hatte mir das angeboten - früh morgens, noch müde und halb verpennt zwischen Kaffee und Zigarette, nicht an der Haustür, aber vom Stil her so ähnlich. Genau genommen war es ein Dialogfenster. Aber ihr wisst ja wie das ist, wenn einem zwischen Schlaf und Wachsein plötzlich von drohenden Katastrophen erzählt wird. Da kann sich Nervösität schon einstellen. Und PS2 klingt doch auch vertrauenerweckend – umgekehrt und ausgesprochen, versteht sich. Und wenns hilft? Ist doch klar, nehm ich!

Daraufhin stellte sich naturgemäß erst einmal Beruhigung ein. Allerdings schwante mir schon während des Downloads Übles. 260 MB sind ja fast ein halbes Betriebssystem und damit ganz schön viel für ein bisschen Service. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwie fühlte ich mich intuitiv an die allerorts bekannten Montagsautos erinnert.

Dass ich gut drei Wochen später lesen musste, der Service wäre gut gemeinte Flickschusterei, wunderte mich dann nicht mehr. Viel Positives hatten die jedenfalls nicht zu berichten, und die Kritik zielte vor allem auf den os-eigenen Browser – der mir ohnehin schon seit längerer Zeit aufgrund seiner Sperrigkeit im Umgang gehörig auf die Nerven ging.

Also: Time to change, get Firefox! So gelesen als E-Mail Signatur. Gesagt, getan und siehe da: Mit dem Firefox-Browser stellte sich erstmals ein Gefühl von Komfort und Beweglichkeit im Netz ein. Hielt ich das Internet zuvor für eine eher überbewertete, wenn auch sehr nützliche Einrichtung, so kam nun richtig Spaß auf: “Mouse Gestures plus “Tabbed Browsing plus “Pipelining und DSL – heilige Sch..ße, das nenn ich fix unterwegs sein!

Ebenso schnell stellte sich mir die Frage, welchen einfallsreichen Köpfen in welchem Unternehmen das eingefallen ist. Die Antwort ließ mich staunen. Kein Unternehmer, aber ein Unternehmen: Open Source! Noch unter dem Eindruck dieser Idee, sollte ich kurz darauf im Firefox-Forum über Ubuntu lesen.

Linux - prompt und reflexartig schoss die Assoziation “Schwierig! durch meine Hirnwendungen. Okay, okay,

... lies erst einmal weiter, war mein zweiter Gedanke und der dritte führte mich auf UbuntuUsers.de: ein quicklebendiges Forum nebst großem Wiki Ubuntu Wissensarchiv, dazu offensichtlich ein Ort begeisterter Hilfe, regen Erfahrungaustausch' und ständig wachsenen Wissens. Meine Begeisterung stieg genauso wie meine Neugier. “Also wage den Sprung! – , denn so fühlte sich das nämlich an als Newbie, gerade bei dem Stichwort “Partitionieren. Nach kurzem Zögern, stand kaum eine halbe Stunde später das neue OS – und zwar stabil, ohne Mucken und Macken. Gut, es gab dann noch einige kleinere Hürden zu überwinden, wobei deren Ursachen als klar in der Tatsache liegend beschrieben werden können, dass Hardware-Hersteller in den letzten Jahren mehrheitlich einem Monopolisten in die Hände gearbeitet haben. Aber hier wie dort: Time to change, ein Anfang ist getan!

Das ist jetzt gut zwei Monate her, und auf die Frage hin, was mich zum Wechsel bewogen hat, gibt es mindestens zwei Antworten. Da war zum einen der Reiz des Unbekannten, des Neuen; ein Reiz, der sich bekanntlich sehr schnell an Oberflächen erschöpft, aber gerade hier fängt Linux Ubuntu erst an – also genau dort, wo ein anderes OS aufhört. Wer sich mit seinem OS auseinandersetzen will, dem stehen hier alle Möglichkeiten offen und Ubuntu bleibt spannend.

Auf der anderen Seite gab es so etwas wie eine schon vorhandende, überindividuelle Einsicht, die, durch Ubuntu erfrischend aktualisiert, Gestalt angenommen hat: Das Gleichnis von den Zwergen auf den Schultern von Giganten beschreibt dies treffend, wobei hinzuzufügen wäre, dass wir auch schon immer der Teil des Giganten sind – jeder so wie er will und kann, definitiv aber mit den UbuntuUsers im Vielklang.

Danke an Thorsten Schmidt aka Longo für diesen Bericht.