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Die Hand des Diebes

linux.png

Die Liste der Schadprogramme für Linux ist kurz. Doch seit kurzem findet sich ein neuer Schädling „in the wild“ (zu deutsch: in freier Wildbahn): ein Trojaner für Linux.

Arbeitsweise des Trojaners

Was sich im ersten Moment sehr gefährlich anhört, zeigt sich bei näherer Betrachtung weniger dramatisch. So konnten die Analysten von RSA Security den Trojaner zwar über ein geschlossenes Forum beziehen, in dem er auch zum Kauf angeboten wurde, jedoch liegen noch keine Berichte darüber vor, dass er derzeit auch aktiv von Kriminellen genutzt wird.

Daneben scheint „Hand of Thief“ (zu deutsch: Hand des Diebes) im Vergleich zu seinen von Windows-Betriebssystemen bekannten Brüdern recht einfach zu sein. So soll er Eingaben in Formulare von Firefox, Google Chrome, Chromium und einigen anderen Browsern abfangen, an einen Kontrollserver übermitteln und eine Hintertür im System für den unbefugten Zugriff auf das System einrichten. Eine einfache Blocklist soll den Zugriff auf bestimmte Server unterbinden, wodurch Aktualisierungen von Anti-Virus-Programmen verhindert werden können.

Die Infektion des Systems scheint nicht auf der Ausnutzung von Schwachstellen zu beruhen, stattdessen empfahl der „Verkäufer“ der Schadsoftware, auf E-Mails und Social Engineering zu setzen, um den Trojaner auf das System eines Anwenders zu bringen. Das bedeutet, dass der Nutzer selbst bei der Installation mitwirken muss. Dafür soll „Hand of Thief“ auf 15 verschiedenen Distributionen, darunter auch Ubuntu sowie acht Desktop-Umgebungen, getestet worden sein.

Was tun?

Die beste Sicherheitsmaßnahme dürfte auch hier wieder der gesunde Menschenverstand im Umgang mit Aufforderungen, Software zu installieren oder auszuführen, sein. Dies gilt insbesondere, wenn diese auf Webseiten angezeigt oder per E-Mail zugesandt werden. Auch sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass schädliche Software auch über fremde Paketquellen einen bequemen Weg in das eigene System finden kann.

Fazit

Anhand der derzeit vorliegenden Informationen kann „Hand of Thief“ von der Linux-Gemeinde einerseits als Ritterschlag betrachtet werden. Das freie Betriebssystem scheint kriminellen Kreisen nun wichtig genug, um einen Trojaner-Baukasten und eine dazugehörige Infrastruktur zu programmieren. Andererseits könnte es auch als Beleidigung aufgefasst werden, da die Software im Vergleich zu hochwertigen Windows-Trojanern recht einfach gehalten ist und immerhin die aktive Mithilfe des Nutzers bei der Infektion vorausgesetzt wird.

Quellen:

Veröffentlicht von mfm | 8. August 2013 23:15 | Kategorie: Linux und Open Source | # Fehler im Artikel melden

putzerstammer

Avatar von putzerstammer
1 9. August 2013 00:13

Danke für den Bericht 👍 ct Magazin hat darüber auch schon Berichtet .Die beste Sicherheitsmaßnahme dürfte auch hier wieder der gesunde Menschenverstand im Umgang mit Aufforderungen, Software zu installieren oder auszuführen und wer es trotzdem macht ist selber Schuld 😢 ich habe Software nur aus der Paketverwaltung ,was einfacheres gibt es auch nicht, und meine E-Mail schaue ich mir sehr genau an bevor ich sie öffne 😲 also Leute Augen immer schön offen halten dann bleibt Linux was es ist auch sicher 😀

Das_Auge

Avatar von Das_Auge
2 9. August 2013 01:39

…wieder andererseits könnte es auch als Bestätigung für die Sicherheit von Linux aufgefasst werden, dass der Macher der Malware keine Schwachstelle im System gefunden hat, über die er den Trojaner installieren könnte. …wieder anderererseits könnte es auch als Beleidigung für die User aufgefasst werden, weil davon ausgegangen wird, dass es einfach ist, einen Linux User dazu zu bringen, einen Trojaner selbst zu installieren. Er könnte Recht haben. Versprich nur die neueste Version von Digikam oder ein cooles Spiel in deinen Repos und schon kannst du mit dem Verteilen deiner Malware anfangen.

Ubuntu_Neuling_1981

Avatar von Ubuntu_Neuling_1981
3 9. August 2013 02:55

ZWEI SEITEN DER GLEICHEN MEDALIE...

Also nicht so viele Pornos schauen 😉 MACH NUR SPAß...

Dazu sag ich nur die besseren Anwender sind die Linux User !

http://www.heise.de/open/meldung/Linux-Banking-Trojaner-in-freier-Wildbahn-gesichtet-1932533.html

einerseits freut es mich das die es noch nicht geschafft haben...

Newubunti

4 9. August 2013 10:21

Kommt es eigentlich nur mir so vor, als betrieben die Leute von RSA mehr Werbung für das Ding, als das sie es mal sauber analysiert hätten? Oder ist das vom Leser zu viel verlangt, dass beim vermeitlichen welbtbewegenden Trojaner, der eventuell ein neues "Linux-Zeitalter" vielleicht einleuten können soll, man das Ding mal sauber in seiner gesamten Wirkungsweise von der Installation hin bis zum Wirken untersucht.

Oder sind die angeblichen Security-Spezialisten von RSA mit der Analyse eines angeblich primitiven Trojaners, den man angeblich selber installieren soll bereits überfordert?

Überzeugend sind auch die Mikro-Screenshots auf denen dann auch noch fast alles vernebelt ist.

In diesem Sinne Euer

Dimitri Verascherov

B601

5 9. August 2013 10:30

"Ritterschlag" - hm. Das zeigt vor Allem, dass immer mehr Menschen Desktopversionen benützen und damit natürlich Ebanking etc. ausführen, sodass sich ein Keylogger auszahlt. Und dass die Macher davon ausgehen (leider zurecht), dass ein großer Teil der Desktopnutzer unvorsichtig oder unwissend (oder beides) ist. Die große Anzahl an Schadprogrammen für Android beweist dies (abgesehen von den Sicherheitslücken, die vor allem ältere Versionen betreffen).

In den übrigen Bereichen sind auf Linux basierende Betriebssysteme ja längst die am weitesten verbreiteten; das zeigt auch die Malwareliste, nach der neuere Malware vorwiegend auf Server abzielt.

Der jüngste echte Virus ist übrigens 16 Jahre alt und die Liste überhaupt extrem kurz. Das wiederum ist der "Ritterschlag" dafür, dass das verbreitetste System offenbar viel zu wenige Sicherheitslücken, und schon gar nicht die "passenden", aufweist, und die Aktualisierungen viel zu schnell erfolgen... 😉 An der Verbreitung kann's nicht liegen, denn quasi das Internet zu übernehmen, wäre für Kriminelle und Geheimdienste schon ein gewichtiger Anreiz.

Kerlbürste_Suessholz

Avatar von Kerlbürste_Suessholz
6 9. August 2013 12:04

Ich frage mich trotzdem, was passieren würde, wenn die Viren-Autoren Linux ernsthaft ins Visier nähmen. Irgendwann würden sie als erste eine Sicherheitslücke finden.

Und mit ClamAV würden wir nicht weit kommen 😕

skull-y

7 9. August 2013 12:19

Ob zu wenig passende Sicherheitslücken da sind oder nicht, muss sich erst zeigen. Bisher war Linux nicht so stark auf Desktops vertreten, dass von Interesse gewesen wäre Schadsoftware zu entwickeln, die auf Sicherheitslücken abzielt.

wolleeee

8 9. August 2013 13:43

Wahrscheinlich wollte sich mal wieder wer Profilieren, frei nach dem Motto "und es geht doch!". Ich denke, dass die Zielgruppe der Desktopanwender weiterhin zu klein sein dürfte, als dass es sich wirklich lohnen würde im großen Rahmen Schadware zu produzieren. Ich halte - das ist aber nur meine ganz persönliche Auffassung - dies für eine reine Machtdemonstration von irgend einem Spinner, der mal wieder sein heruntergekommenes Selbstbewusstsein aufpolieren wollte.

DaUndo

Avatar von DaUndo
9 9. August 2013 14:08

Ein weiterer Fake-Trojaner?
Gemacht um eine neue Diskussion zu starten und über die Sommerloch-Debatte das Volk bei guten Laune zu halten? 😈

mfm

Avatar von mfm
10 9. August 2013 15:30

@4: Ich denke, die RSA-Leute haben die Software schon unter die Lupe genommen. Mir ist jetzt nicht bekannt, dass RSA ein Team zur Analyse von Schadsoftware unterhält, wie es zum Beispiel McAfee oder Kaspersky tun. Die Spezialisten dort hätten sicher mehr heraus bekommen, als RSA herausgelassen hat. Aber vielleicht war bei dem Teil ja wirklich nicht mehr zu holen. Das Interessanteste bei Trojanern sind ja immer die Verbreitungswege und die ausgenutzten Schwachstellen und die sind hier schnell beantwortet: User und Keine.

Newubunti

11 10. August 2013 12:28

@10:

Ich denke, die RSA-Leute haben die Software schon unter die Lupe genommen.

Dann stellt sich aber die Frage, warum die nur davon sprechen, dass der Trojaner auf 15 Linux-Distributionen nach Aussage des Autors laufen soll, sie aber nicht überprüft haben, ob das tatsächlich der Fall ist.

Aber vielleicht war bei dem Teil ja wirklich nicht mehr zu holen.

Naja, so allgemeine Fragen wie, ob der Trojaner z.B. Root-Rechte benötigt oder nicht, müssen ja grundsätzlich bei jedem Trojaner "zu holen sein". Dazu steht in dem Blog: Nada!

Das Interessanteste bei Trojanern sind ja immer die Verbreitungswege und die ausgenutzten Schwachstellen

Die sind schon auch interessant, aber aus Nutzersicht wäre schon auch interessant, wie man das Ding im Fall der Fälle auf dem Rechner entdeckt, zumal er ja angeblich primitiv sein soll.

und die sind hier schnell beantwortet: User und Keine.

Das behauptet so nur der ct-Artikel, wobei der nach meinem Verständnis nur auf dem RSA-Blog und nicht auf eigenen Recherchen beruht.

Im RSA-Blog heißt es dagegen nur, dass der Verkäufer der Software als Verbreitungsweg E-Mail und Social-Engineering empfohlen habe. Daraus lässt sich ableiten:

  • Dass der Trojaner unter Umständen noch gar nicht wirklich im Umlauf ist, sondern nur zum Kauf an Interessenten angeboten wird.

  • Der potentielle Käufer sich um die Verbreitung des Trojaners selber kümmern muss.

Das schließt aber beides nicht vollends aus, dass er sich nicht auch anders z.B. über eine Schwachstelle, verbreiten ließe - wie wahrscheinlich eine eine Schwachstelle dann ist, ist zwar eine andere Frage, sagt aber auch wiederum über die Möglichkeit nichts aus.

Im übrigen ist es auch unter Linux so, dass Schwachstellen nicht immer schnell gepatcht werden (können). Außerdem kommt z.B. bei einer Distribution wie Ubuntu hinzu, dass es dem Nutzer in der Standard-Einstellung obliegt, wann er ein an sich vorhandenes Sicherheitsupdate einspielt.

Dass Updates auch auf Ubuntu nicht immer zeitnah eingespielt werden, habe ich im Bekanntenkreis schon häufig genug beobachten können.

Aber das ist alles nur allgemeines Bla-Bla. Das Problem ist, dass hier grundlegende Infos fehlen, um die Situation genauer einschätzen zu können.

Eine Analyse sieht in meinen Augen anders aus. RSA hat mehr "analysiert" welche Möglichkeiten sich einem potentiellen Käufer des Trojaner-Paketes böten, als dass sie den Endanwender mit verlässlichen Informationen versorgt hätten.

Beim ct-Artikel sieht man dann wiederum ein Stück-Weit den "Stille-Post-Effekt".

Alles nicht sehr rühmlich.

Gruß, Martin

diesch

Avatar von diesch
13 11. August 2013 16:45

Wenn das Programm tatsächlich in freier Wildbahn verbreitet und eine ernstzunehmende Gefahrenquelle wäre, würden die Hersteller von Antiviren-Software für Linux sich sicher nicht die Chance entgehen lassen, damit ihre Produkte zu bewerben.

Soweit ich weiß, hat aber außer RSA bisher niemand „Hand of Thief“ beobachtet. Ich gehe daher nicht davon aus, dass das Programm tatsächlich in freier Wildbahn anzutreffen ist.

Papamatti

14 11. August 2013 21:57

Ich denke das es aber auch ein Weckruf sein sollte in Software keine Funktionen einzubauen, mit denen man am Paketsystem vorbei "Erweiterungen" installieren kann. (KDE, Gnome3, Firefox, Thunderbird)

petrakrueger

Avatar von petrakrueger
15 12. August 2013 07:59

@11: Ich finde auch, dass das Einspielen von Updates per default schärfer eingestellt werden sollte. Ansonsten bin ich der Meinung von Dimitri / Martin, dass hier viel Lärm um nichts gemacht wird.

Gruß Petra

DPITTI

Avatar von DPITTI
16 13. August 2013 11:05

Viele lachen jetzt eventuell, aber ich habe auch für Lubuntu ein Viren Programm von Comodo installiert sicher ist sicher.

Fanatics

Avatar von Fanatics
17 14. August 2013 08:28

erinnert sehr stark an das:

Leipzscher Virüs: Güden Tog, isch bin en Häcker aus Leipzsch un diss iss en selbstprögrammirder, bösartscher Compjutervirüs. Da isch noch net sö viel weeß vom compjuder iss des en manueller Virüs. Also löschen se bidde alle Dadeien von de Festpladde und schicke se den virüs an alle die se kennen. Griysse aus Leipzsch, en waghalscher Häcker!

DPITTI

Avatar von DPITTI
18 14. August 2013 16:48

@17: Sing mein Sachse Sing ditt iss my eigen Ding 😈