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Jahresrückblick 2014

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2014 neigt sich dem Ende entgegen. Was ist eigentlich alles in den letzten 8756 Stunden passiert? Zeit für einen Blick über das vergangene Jahr – aus der Sicht von ubuntuusers.de.

Allgemeine Nachrichten

Zum Beginn des Jahres stand der Begründer von Holarse zu einem Interview zur Verfügung. Holarse ist dabei ein Portal, bei dem sich alles um das Spielen unter Linux dreht. Anlässlich der Aktion „Reset the Net“ wurde am 5. Juni 2014 ein ausführlicher Ikhaya-Artikel veröffentlicht, wie jeder sein eigenes System ein Stückchen sicherer machen kann. Demonstrativ wurde mit der Überschrift „mv acroread /dev/null“ das endgültige Ende des Adobe Readers für Linux angekündigt.

Buchbesprechung

Wer mag schon gerne totes Holz in die Hand nehmen und daraus Informationen lesen? Scheinbar einige, denn 2014 wurden fünf Buchrezensionen in Ikhaya veröffentlicht. Diese lassen sich dabei alle in der ersten Jahreshälfte wiederfinden. Den Anfang machte das Buch mit dem Titel „Weniger schlecht programmieren“. Es behandelt – ohne jeglichen Quellcode – Regeln und Konzepte für ein besseres Programmieren. Ebenfalls um Softwareentwicklung ging es bei der Buchbesprechung von „Die Kathedrale und der Basar“. Ein ganz ähnliches Thema, nämlich die Verhaltensregeln für professionelle Programmierer, bespricht „Clean Coder“. Wen vim nur wenig oder nichts sagt, dem sei „Vim in der Praxis“ empfohlen. Aber auch bisherige Nutzer könnten noch das ein oder andere neue nachschlagen. Mehr in Richtung Hackermilieu und Sicherheit geht die Rezension zum Penetrationswerkzeug Metasploit. Zur Information: Alle vorgestellten Bücher gibt es auch als digitale Variante.

Kwami

Nachdem im letzten Jahr die neue Kategorie Kwami eingeführt wurde, gab es auch 2014 insgesamt vier Meinungen verschiedener Schreiber. Diese stammten dabei alle von Teammitgliedern des ubuntuusers.de-Teams. Wir laden an dieser Stelle aber gerne nochmals alle Leser dazu ein, in dieser Kategorie einen Artikel über „ihr“ Thema vorzuschlagen. Den Anfang machte im Februar ein Artikel über die Vor- und Nachteile, die durch den Wechsel von Upstart auf systemd bei Ubuntu entstehen könnten. Im nächsten Monat folgte dann eine Kwami von tomtomtom über das Heise-Ubuntu für ältere Rechner. Das angepasste Installationsimage war anlässlich dem Windows-XP-Ende veröffentlicht worden und enthielt aus Sicherheitssicht ein paar grobe Schnitzer. Im April folgten dann gleich zwei Artikel in dieser Kategorie: Der erste behandelte Creative-Commons-Lizenzen im Allgemeinen, das Problem des NC-Moduls und wie dies ubuntuusers.de betrifft. UbuntuFlo diskutierte im zweiten Kwami des Aprils die Vor- und Nachteile der LTS-Versionen von Ubuntu. Seiner Meinung nach überwiegen letztendlich aber die Vorteile einer LTS-Version für Nutzer. Ab April bis Ende des Jahres wurden keinerlei Kwamis mehr veröffentlicht. Scheinbar sind uns entweder Themen oder Autoren ausgegangen. Deswegen nochmals: Wirklich jeder ist eingeladen, einen Kwami zu schreiben.

Linux und Open Source

Erster Artikel in der Kategorie „Linux und OpenSource“ war im März 2014 „GNOME 3.12 ist da!“. Diese Version bringt einige iterative Neuerungen, die aber allesamt zu spät für Ubuntu 14.04 LTS kamen.

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Eines der vielen Shellshocklogos
CC BY 3.0 von Guillaume Kurkdjian

Ein positive Zwischenbilanz zog man im Juni noch für LiMux. Dann kam die „Kritik“ – so man sie denn so nennen darf – des neuen Münchner Oberbürgermeisters und plötzlich ragten negativere Schlagzeilen um die Zukunft von LiMux. Einen weiteren großen Riss in die Linux-Welt zog die Bash-Sicherheitslücke ShellShock. Nach dem x-ten Patch war man sich selbst nicht so ganz sicher, ob die eigene Distribution eigentlich schon alle Lücken beseitigt hatte. Spezielle Skripte zum Überprüfen auf ShellShock-Varianten entstanden. Eine weitere Lücke in APT rückte da schnell in den Hintergrund.

Eine erfreuliche Nachricht für alle Filmliebhaber unter den Linuxnutzern gab es im Oktober: Netflix für Linux ist da. Mittlerweile funktioniert das Ganze auch ohne lästige Workarounds – HTML5 sei Dank. Dagegen soll die AusweisApp2 – im Gegensatz zur ersten Version – Linux nicht mehr unterstützen. Es wird auf Versionen für Windows, Mac, iOS, Android oder die Open eCard App verwiesen. Ebenfalls im November hat Microsoft .NET offengelegt. Davon könnten zum Beispiel auch Projekte wie Mono profitieren, denen nun Codeübernahmen gestattet sind.

Dank Dee erschienen dieses Jahr auch einige Artikel lizenzrechtlicher Natur: Im Januar gab es eine Vorstellung von Creative Commons in Version 4 und den Neuerungen gegenüber den Vorversionen. Der Artikel „State of the Commons – Zustand der Creative-Commons-Lizenzen“ gibt einen allgemeineren Überblick über die Creative-Commons-Lizenzen sowie deren Verwendung. Daneben wurde die Frage nach einer Definition von freien Inhalten beantwortet. Dabei kommt kein einziges Mal das Wort „Freibier“ vor …

Projektvorstellung

„Spielend programmieren“ – das ist der Name des ersten vorgestellten Projekts. Im Interview steht dabei Horst Jens zur Verfügung. Das zweite Projekt „Tomahawk“ zeigt die vielen Facetten des einfach nur vielseitigen Musikplayers. Er unterstützt Dienste wie ownCloud, Spotify, Soundcloud oder YouTube und macht es ebenfalls einfach, seinen Musikgeschmack mit Freunden zu teilen. Was machen die Musikpiraten? Diese und noch mehr Fragen beantwortet das Interview mit Christian Hufgard, dem Vorsitzenden des Vereins. Eins sei vorab gesagt: Auf jeden Fall keine Musik illegal per Torrent ziehen – eher das genaue Gegenteil.

Rund um Ubuntu

Auch nach zehn Jahren mit 20 verschiedenen Versionen ist bei Ubuntu noch nicht Schluss. Das Geburtstagsjahr wird auch durch Nachrichten und Taten gebührend (indirekt) gefeiert. Es passiert immer noch etwas: Zu Beginn des Jahres wird Ubuntu durch die GCHQ-Unterorganisation „Communications Electronics Security Group“ zum sichersten Betriebssystem ausgezeichnet. Ob man wegen dem Auftraggeber stolz über die Auszeichnung sein soll oder doch einfach nur darüber lachen soll, weiß niemand so genau.

Ubuntu ist immer noch ein Derivat von Debian. An diesen Grundsatz schien man sich wieder zu besinnen, als bekannt wurde, dass in Zukunft systemd statt der Eigenentwicklung Upstart verwendet werden soll. Zudem wurde der Zeitplan für Mir nochmals überarbeitet. So soll der Displayserver erst mit Ubuntu 16.04 LTS auf Desktops eingeführt werden. Auf Smartphones wird es dagegen schon eingesetzt. Unter dem Namen „One Hundred Papercuts“ hat sich seit 2009 ein Projekt zusammengefunden, um kleine, aber dennoch nervige Fehler aus Ubuntu zu beseitigen. Im April wurde ein kleiner Schritt in Richtung mehr Privatsphäre bei Unity bekannt: In Zukunft solle bei Unity 8 die umstrittene Amazon-Dash-Suche nicht mehr automatisch aktiviert sein, sondern müsse erst durch den Benutzer aktiviert werden.

Negative Schlagzeilen bereitet dagegen das Ende von Ubuntu One. Von außen betrachtet tauchte diese Nachricht urplötzlich auf und wirkte damit für viele so spontan wie unverständlich. Eine weitere – gerade für die Community – überraschende Nachricht war der Weggang des Ubuntu-Community-Managers Jono Bacon. Er wechselte aus eigenem Interesse von Canonical aus zur X-Prize_Foundation.

Veröffentlichungen

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Trusty Tahr
Lizenz: CC BY-SA 2.0 von latatta

Den Anfang an Ubuntu-Veröffentlichungen macht der vierte Snapshot von Ubuntu 12.04 „Precise Pangolin“. Um die Wartezeit bis zur neuen LTS-Version zu überbrücken und die Aufregung zu begrenzen, berichteten wir bereits vorab über die neuen Hintergrundbilder. Am 17. April war es endlich soweit: Die neue LTS-Version 14.04 „Trusty Tahr“ ist erschienen. Ein zusätzlicher Artikel beleuchtete – wie auch bei den vorherigen Versionen – den verwendeten Kernel. Kurz danach gab Mark Shuttleworth den Versionsnamen von Ubuntu 14.10 bekannt: „Utopic Unicorn“. Bis zu dessen Release (natürlich mit Kernelschau), erschien 14.04.1 und der geforderte 5. Snapshot von Ubuntu 12.04 LTS. Ubuntu 15.04 wird indes den Namen „Vivid Vervet“ tragen.

EOLs

Ubuntu 13.04 „Raring Ringtail“ war 2014 die erste Ubuntuversion, deren Unterstützung auslief. Erst knapp vier Monate danach erlosch die Unterstützung von Ubuntu 12.10 „Quantal Quetzal“. Nein, das ist kein Tippfehler. Dass das jüngere 13.04 bereits vor 12.10 keinen Support mehr aufweist, liegt an neuen Supportzyklen: „Normale“ Ubuntuversionen erhalten statt 18 nur noch neun Monate lang Sicherheitsupdates. Im Juli dieses Jahres ging dann ebenso Version 13.10 „Saucy Salamander“ von uns. Im gleichen Monat sorgte das Unterstützungsende der Hardware Enablement Stacks von Ubuntu 12.04.2, 12.04.3 und 12.04.4, zumindest in den Kommentaren für ein wenig Verwirrung. Welche Versionen genau betroffen waren bzw. sind, erfährt man im entsprechenden Artikel.

Nutzer von Ubuntu und GNOME durften sich im März freuen: Das Derivat Ubuntu GNOME erhält den LTS-Status für drei Jahre. Dem gegenüber sorgten sich im September diejenigen Ubuntunutzer, welche gleichzeitig Enlightenment gerne benutzen, um die Fortführung von Bodhi Linux. Diese Befürchtung wurde aber schnell wieder relativiert 🇬🇧.

Ubuntu Touch und Phone

Die ersten Smartphones mit Ubuntu der Canonical Partner bq und Meizu sollten noch 2014 erscheinen – so lauteten zumindest Bekanntmachungen im Februar. Im November – also knapp neun Monate später – unterzeichnete Canonical einen Vertrag mit Meizu. Das Resultat daraus ist momentan unbekannt. bq ist etwas weiter: Im Februar 2015 soll mit dem Aquaris E4.5 🇬🇧 ein erstes Ubuntu Phone für circa 150 € erscheinen.

Das eine gedeiht, das andere verkommt. Das letzte Schicksal erlitt Ubuntu für Android, das seit Mai nicht mehr aktiv weiterentwickelt wird.

Software

Immer mehr Humble Bundles – auch Varianten für Android oder mit dem Zusatz „weekly“ waren vertreten. Das sieht man auch an der Anzahl an Artikel auf Ikhaya: Satte acht Stück behandelten die Spielepackung zum Selbstbestimmungspreis.

Ebenso wurden die Fortschritte am Open-Source-Strategiespiel 0 A.D. dokumentiert: Alpha 15 „Osiris“ erschien zu Weihnachten letzten Jahres, wir berichteten aber erst im Januar darüber. Pünktlich am Erscheinungstag erschien dagegen der Artikel zur Alpha 16 „Patañjali“ – mit Hilfe eines bei 0 A.D Involvierten. Die letzte Alpha mit Versionsnummer 17 und Namen „Quercus“, die im Oktober diesen Jahres erschien, brachte neben Verbesserungen an Performance und der Grafik, auch solche für die Spielmechanik und der Erstellung von Szenarien. Wer jetzt daran erinnert wird, dieses Spiel auszuprobieren, findet eine Installationsanleitung im Wiki.

Neben neuen Spielen passiert aber auch bei anderer Software etwas. So gab es einen eigenen Artikel über LibreOffice 4.2, der die Anpassungen am Design und weiteren Neuerungen im Detail wiedergibt.

Ubuntu und ich

Ein etwas negativer Bericht erschien bereits am Anfang des Jahres. Es fand eine Befragung der LoCos statt, zu der sich nur ein Drittel zurückgemeldet hat. Daraus wurde ein weltweiter Rückgang der LoCos gefolgert. Eine weitere Umfrage war die Ubuntu Community Survey, welche sich wiederum an alle Ubuntu-Benutzer richtete.

Weiterhin gab es einen Informationsartikel wie man Ubuntu GNOME unterstützen kann. Wenn man im realen Leben Linux-Nutzer treffen möchte, gibt es an vielen Orten Linux User Groups. In einem Artikel stellte sich die Kaalug vor.

ubuntuusers

Parallel zu Ubuntu feiert auch ubuntuusers.de seinen 10. Geburtstag. Anlässlich diesen Termins wurde über alle Jahre zurückgeblickt.

Die Vorstellungsreihe des ubuntuusers.de-Teams wurde fortgesetzt: Als erstes stellte sich Developer92 im April vor. Im September folgte Justin-Time. Für einige Teammitglieder zu einer Pflichtveranstaltung geworden, traf man sich 2014 wieder im echten Leben in Essen.

Die Teilnehmerzahl zum zweiten Artikelwettbewerb im September fiel unerwartet schlecht aus. Zwar reichte ein Autor gleich zwei Artikel ein, nämlich einen über den „Raspberry Pi im professionellen Einsatz“ sowie zum Freifunk, dies war aber auch der in Summe einzige Teilnehmer. Entsprechend wenig Auswahl gab es bei der Nominierung der Gewinner des Wettbewerbs. Im Dezember wurde aufgrund der Fragen einiger Benutzern ein Artikel bzw. FAQ zum Mitmachen beim Ubuntu-Wochenrückblick publiziert. Dieser zeigt neben dem Wiki die verschiedenen Orte wie Forum oder Pad auf, an denen sich jeder einbringen kann.

Server & Software

Durch Überarbeitungen an dem Monitoring-Dienst Anfang des Jahres ist ubuntuusers.de jetzt noch besser für einen Worst-Case-Szenario gewappnet.

Der Weg von Inyoka zu einer Open-Source-Software wurde ein weiteres Mal in Angriff genommen und die Ziele bis dorthin klar definiert. Zudem wurden Helfer gesucht – und auch ein paar gefunden. Eine Förderung erhielt ubuntuusers.de wiedermal von Thomas-Krenn.

Externe Abhängigkeiten und ein Update von Django machen es unumgänglich: Die Anmeldung via OpenID ist auf ubuntuusers.de künftig nicht mehr möglich.

Das Jahr 2014 war geprägt von Ankündigungen für Serverdowntimes – die dann überraschenderweise gar nicht wirklich spürbar waren. Insgesamt gab es vier kleine Unterbrechungen: im Mai, Juli, September und zuletzt Mitte Dezember. Neuerdings sind die Ausfälle zudem auf einer eigenen Statusseite sofort sichtbar.

Ebenfalls neu in diesem Jahr: In der „Online-Tour“ können Interessierte einen ersten Eindruck von Ubuntu gewinnen – auf Deutsch, ganz allein im Browser und ohne weitere Installation.

Wiki

Zu Beginn des Jahres wurde der (vorerst) letzte Wiki-Monatsrückblick für Dezember 2013 veröffentlicht. Parallel zu den neu veröffentlichten Ubuntuversionen „Trusty Tahr“ und „Utopic Unicorn“ wurden auch die entsprechenden Getestet-Tags im Wiki hinzugefügt. Zum Ende des Jahres hin wagte man im Wiki etwas Neues: Howtos werden vorerst als eigener Teil des Wikis erlaubt. Die Aktion läuft noch bis zum 15. Mai 2015, danach wird anhand dem Feedback über eine Fortsetzung nachgedacht. Zuletzt suchte man Autoren für den Wiki-Artikel zu Apache 2.4 – mit sehr geringer Rückmeldung.

Veranstaltungen

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Es gibt mittlerweile sehr viele kleinere und größere Veranstaltungen mit Open-Source-Bezug in Deutschland. Den Anfang machte ein Aufruf von Jono Bacon für eine Ubuntu-App-Schule zum Programmieren von Apps für Ubuntu. Eine der größeren internationalen Veranstaltung im Jahr ist die FOSDEM 2014 die jedes Jahr in Brüssel stattfindet. Die erste Veranstaltung in Deutschland waren die Chemnitzer Linuxtage, die jedes Jahr gut besucht sind. Weiter ging es in Leipzig mit dem LibreGraphicsMeeting 2014. Unter geändertem Konzept fand der LinuxTag Berlin statt.

Seit einigen Jahren findet ebenfalls die Ubucon statt, wo sich die Ubuntu-Community trifft. Die deutsche Variante fand dieses Jahr in Katlenburg statt. Die schweizer Variante wiederum in in Bern. Torsten Franz erzählt in einem Interview über die Organisation von der Ubucon. Für 2015 wird hingegen noch ein Veranstaltungsort gesucht.

Ubuntu selbst veranstaltete einige Online-Veranstaltungen, darunter auch Wettbewerbe wie den Ubuntu App Showdown Contest, die Ubuntu Open Week und zwei Ubuntu Online Summits. Daneben fanden ebenfalls noch die Ubuntu User Days und der Ubuntu Scope Showdown statt.